Mit der Ausstellung „Jugendkultur in Stendal: 1950-1990“ soll am Beispiel der Hansestadt Stendal gezeigt werden, wie Jugendkultur in der ländlichen Region einer kleinen Stadt in der DDR praktiziert wurde. Der Schwerpunkt liegt dabei auf die Themen Musik, Kleidung und Orte. Anschaulich soll werden, wie die Jugendzeit von 1950-1990 in der DDR gelebt und erlebt wurde im Spannungsfeld von offizieller Kultur und eigenproduzierter Nischenkultur mit ihren Kreativitätspotenzialen, Aktivitäten, Gesellungsformen sowie daraus entstehende Konfliktzonen und (An)Passungsversuchen.

Die Ausstellung basiert auf die Ergebnisse der Studie „Jugendkultur in Stendal: 1950-1990“, in deren Rahmen über 30 Interviews mit heute 45-80-jährigen Menschen geführt wurden, die über ihre Jugendzeit in Stendal ausführlich erzählten. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Fragen nach deren Alltagspraxen als Jugendliche, ihren Musikpräferenzen und ihren Kleidungsstilen. Weniger ging es explizit um ihre Auffassung zu Staat und Politik, denn im Vordergrund stand die „Politik des Alltagslebens“, wie sich diese über die zentralen Elemente Musik, Kleidung und Aktivitäten in Jugendkulturen vermittelt und wie sich darüber Distinktion zu anderen Alters- und Jugendgruppen herstellt. Ziel war es vielmehr, den Interviewten den Erzählraum für ihre „kleinen Lebenswelten“ zu geben, um im Detail zu erfahren, wie in den 1950ern, 1960ern, 1970ern und 1980er Jahren das Aufwachsen in der DDR-Kleinstadt Stendal er- und gelebt wurde. Ausgegangen wurde davon, dass Jugend immer an Grenzen stößt, ihren Freiraum beansprucht, ganz spezifische Situationen des Jugendseins kreiert.

In der Ausstellung werden Auszüge aus den Interviews in Soundcollagen sowie Originalfotos und Gegenstände aus dem DDR-Alltag arrangiert, um die Vielfalt an jugendkulturelle Ausdrucksformen und Praxen in vier Jahrzehnten anzudeuten.

Trailer zur Ausstellung

 

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm mit Filmen, Theater, Lesungen sowie Erzählcafés und einer Fachtagung.

Ein Begleitkatalog ist im Hirnkost-Verlag erschienen.

Die für die Ausstellung erstelle Webseite ist analog der Raumgestaltung im Altmärkischen Museum aufgebaut. Es wurden drei große Themenbereiche arrangiert. Mit der anglophonen Bezeichnung „der sound“ (Raum 1) / „der style“ (Raum 2) / „die events“ (Raum 3) soll unterstrichen werden, dass es sich um eine von heute aus vorgenommene Rekonstruktion handelt, eben kein Abbild von „Zeitzeugen“ und einem „so war es damals in der DDR“, sondern um aus der Jetztzeit vorgenommene Perspektiven in und auf Szenen aus der DDR.

Für die Umsetzung dieser Webseite wurden Elemente der Ausstellung
verwendet. So die Diashow mit Originalfotos, die während der Ausstellung als 11-minütiges Video im Vorraum als Entrée gezeigt wurde, hier aber in drei Teilen thematisch zugeordnet wurde. Ferner wurden die Videocollagen mit Interviewauszügen zu den Themenbereichen „der sound“, „der style“, „die events“ eingebunden. Zudem finden sich die prägnanten Zitate, die auf Postkarten als Fluchtlinie durch alle Räume aufgespannt waren. Schließlich wurden die Kurzportraits der Interviewten aufgenommen. Die Super-A-Texte mit Informationen, die in den jeweiligen Themenraum einführten, finden sich auf jeder Themenseite voran gestellt. Die in der Ausstellung berücksichtigen Artefakte – sowie die Gesamtausstellungsarchitektur – sind in der Diashow „Ausstellungseröffnung“ zu erkennen.

Diashow: Ausstellungseröffnung

Raum 1: der sound

Raum 2: der style

Raum 3: die events

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Ausstellungsteam Gabriele Bark, Henrike Krause, Prof. Dr. Günter Mey, Aileen Piechocki, Luisa Simon, Jana Shylapina, Meike Studt

Idee, Konzept und Ausstellungsleitung Prof. Dr. Günter Mey

Interviewführende Imke Ahlers, Ariane Böckh, Leonie Goebel-Künnecke, Viktoria Hahnefeld, Katharina Hummel, Anna-Maria Klaus, Henrike Krause, Karola Mühlberg, Aileen Piechocki, Linus Rupp, Marleen Schröer

Objektrecherche Gabriele Bark, Henrike Krause, Aileen Piechocki

Videoschnitt Günter Wallbrecht, ww-media Hamburg

Interviewte Thomas Barniske, Frank Boden, Dr. Rolf Gierke, Fritz-Walter Giesecke, Jörg Glewwe, Kerstin Hahn, Uta Hammer, Wolfgang Haring, Klaus Hornickel, Christiane Jaeger, Susann Junghans, Thomas Kühn, Peter Krupp, Sabine Lange, Marlis Lauterbach, Petra Leupold, Wolfgang Liebisch, Björn Malycha, Andreas Meßing, Ronald Mischok, Hans Dieter Neubert, Angelika Postolache, Jutta Schönemann, Bodo Schulz, Dieter Schulze, Dr. Friedrich Schulze, Werner Schulze, Gabriele Stammer, Uwe Trapp, Gustav Voß, Hans Joachim Wöhlert, Bernd Zürcher

Leihgebende Archiv für Jugendkulturen Berlin, Jutta Anger, Heidemarie Gehmlich, Jörg Glewwe, Klaus Grigoleit, Helmut Billy Groth, Hannelore Hünemörder, Simone Habendorf, Elke Huth, Susann Junghans, Gerda Kausche, Christiane Korschorreck, Thomas Kühn, Sabine Lange, Elke Loth, Prof. Dr. Günter Mey, Ronald Mischok, Ingrid Naumann, Hans Dieter Neubert, Dorlies Oesemann, Klaus Parnow, Michael Philipp, Irmgard Pietschmann, Doris Schmelzer, Bodo Schulz,Kristina Schulze, Günter Schweitzer, Heidrun Senf, Wolfgang Sommer, Stadtarchiv Stendal, Gustav Voß, Edelgard Wellner, Bernd Zürcher

Kooperationspartner Offener Kanal Stendal, Theater der Altmark, Uppstall-Kino, Volksstimme Stendal

Begleitprogramm  Konzept Prof. Dr. Günter Mey, Aileen Piechocki; Umsetzung: Donald Lyko, Prof. Dr. Günter Mey, Alexander Netjaschew, Günther Tyllack

Webseite Steffen Rinke

Ausstellungskatalog Prof. Dr. Günter Mey unter Mitarbeit von Aileen Piechocki, Luisa Simon, Jana Shylapina, Meike Studt mit Beiträgen von Anne Hahn, Dr. Wiebke Janssen, Prof. Dr. Michael Rauhut, Dr. Sven Werner, Dr. Wolf-Georg Zaddach


Förderer Förderkreis für den Standort Stendal der Hochschule Magdeburg-Stendal e.V., Institut für Qualitative Forschung/Internationale Akademie Berlin, Kaschade-Stiftung, Kommission für Studium und Lehre der Hochschule Magdeburg-Stendal, Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalt